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Historie

Die Freiwillige Feuerwehr Poing und ihre Entwicklung

Nicht das Feuer als lebensnotwendige Quelle, und als Licht- und Wärmespeicher, sondern das Feuer als not- und schrecken verbreitende Naturgewalt war es, warum im Jahre 1870 eine Idee, sicherlich aus der Not geboren, in die Tat umgesetzt wurde. In den Verantwortlichen dieser Zeit wuchs die Erkenntnis, dass nur die Gemeinschaft wirksamen Schutz gegen Katastrophen bietet.


Mit sehr bescheidenen Mitteln, aber ausgestattet mit dem festen Willen zum Handeln und zum Helfen bei allen Beteiligten, konnte am 13. August 1870 die Freiwillige Feuerwehr Poing aus der Taufe gehoben werden. Aus den wenigen überlieferten Aufzeichnungen geht hervor, dass die eigentliche Keimzelle der heutigen Feuerwehr eine Handvoll Poinger Bürger, unter Leitung des ersten Kommandanten Fullbacher, war. Einem Beschlussbuch aus der Gründerzeit ist zu entnehmen, dass der jährliche Übungsplan mindestens vier Pflichtübungen umfasste und zudem ein unentschuldigtes Fernbleiben von Übungen zu einer Bussgeldzahlung von 60,- Mark oder 14 Tagen Haft führte.

Das technische Zeitalter der Feuerwehr begann mit der Beschaffung einer so genannten Handsaug- und Druckspritze im Jahre 1894. Ihre Feuer- bzw. Bewährungsprobe stellte diese Anschaffung in den 90-iger Jahren des 18. Jahrhunderts anlässlich zweier Grossbrände auf den beiden Anwesen Edelbauer und Schwinghammer (heute Gasthof Liebhart) bereits unter Beweis.

Ihre erste größere und damit auch überörtliche Festlichkeit feierte die Wehr am 01.07.1900, mit dem 30- jährigen Gründungsfest und der Standartenweihe.

Der Zeitraum von 1923 bis 1928 geht sicherlich als Zeit der Feuersnöte in die Geschichte unserer Gemeinde und der Feuerwehr ein. Insgesamt vier größere Feuerschäden am

  • 12. Sept. 1923     Beim damaligen Gastwirt Greimel

  • 18. Sept. 1924     Beim Landwirt Stenz Benno

  • 18. Sept. 1925     Beim Landwirt Ametsbichler Michael

  • 27. Aug. 1928      Wiederum auf dem zuletzt genannten Anwesen

bilden den traurigen Rekord dieser "brandgefährlichen" Zeit. Dem energischen, entschlossenen Eingreifen sämtlicher beteiligter Wehren aus Poing und Umgebung ist es zu verdanken, dass die jeweils befürchtete grössere Katastrophe ausblieb. Als mögliche Brandursache dieser Schadensfälle kam auch die Brandstiftung in Frage.

Mit dem Erwerb eines LKW's der englischen Herstellerfirma Dodge - hierbei handelte es sich um ein Fahrzeug mit Rechtssteuerung - und einer Tragkraftspritze TS 8 der Marke Robel im Jahre 1942, hielt die Motorisierung Einzug in den Reihen der Feuerwehr. Ihre Leistungsfähigkeit bestätigten diese Anschaffungen bereits wenige Zeit später in den traurigen Tagen und Nächten des 2. Weltkrieges. Unzählige Male lag das Einsatzziel der Aktiven in der Landeshauptstadt München, die durch die Luftangriffe der Alliierten ihren einstigen Glanz verlor.
1955 fasst die Feuerwehr nach langer Pause wieder neuen Mut und organisierte bereits zum zweiten Mal in ihrer Geschichte eine Fahnenweihe. Die gesamte Poinger Bevölkerung nahm am 10.07.1955 an diesem Ereignis regen Anteil. Die Patenschaft für das Fest lag in den Händen der Freiwilligen Feuerwehr Markt Schwaben.
Mehrere Tote und zahlreiche Verletze bildeten die schmerzliche Bilanz eines Flugzeugabsturzes - einer damals jugoslawischen Verkehrsmaschine, die kurz vor dem Weihnachtsfest, am 22. Dez. 1956 auf den Feldern zwischen Poing und Grub zerschellte. Die vorrangige Aufgabe unserer Wehr lag in der weiträumigen Absperrung der Unglücksstelle. Der Zahn der Zeit hinterliess seine Spuren sowohl an dem vorhandenem Fahrzeugpark als auch an den Gerätschaften. Die Ratsherren der Gemeinde billigten 1963 einen Antrag der Feuerwehr, die vorhandenen Einsatzgegenstände grösstenteils auszutauschen und zu erneuern.

Im einzelnen waren dies:

  • Ein neues Löschfahrzeug LF 8 mit einem Platzangebot für eine Gruppenbesatzung von 9 Personen, zu dessen Ausrüstung neben einer separaten Tragkraftspritze TS 8 eine integrierte Vorbaupumpe zählte.

  • Eine Anhängeleiter AL 12 ( ausfahrbare Höhe 12 Meter ).

Einen weiteren Höhepunkt in ihrer Geschichte erlebt die Feuerwehr am 19. und 20.05.1971, anlässlich des 95. Kreisfeuerwehrtages. Ziel der gesamten Landkreisfeuerwehren war in diesen Tagen Poing.

Als ein weiterer Meilenstein der Freiwilligen Feuerwehr Poing ist sicherlich das Jahr 1976 zu bezeichnen. Mit der Ansiedlung von zahlreichen Industrieunternehmen erweiterte sich das Aufgabengebiet ganz entscheidend. Diese Gewerbeansiedlung war der auslösende Faktor, das der Erwerb von umluftunabhängigen Geräten, wie dem "Schweren Atemschutz" und ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 unumgänglich wurde. Dieses Fahrzeug besaß einen Wassertank von 2.400 Litern und wartet mit einer Leistung seiner Pumpe von 1.600 Litern in der Minute auf. Im Jahre 1981, genau am 22.07.1981, erfolgte die Inbetriebnahme eines neuen Mehrzweckfahrzeuges.

Besonders freundschaftliche Beziehung unterhält der Verein seit 1980 nach Niederbayern, genauer gesagt, zur Freiwilligen Feuerwehr Poxau. Den Grundstein dieser Freundschaft legten die damaligen Kommandanten Lang Franz und Irl Simon von seiten der FFW Poing und Huber Hans von seiten der FFW Poxau - anlässlich einer Floriansfeier am 10.05.1980 in Poxau.

Notwendige Modernisierungsmassnahmen gaben den Ausschlag, dass die Freiwillige Feuerwehr Angelbrechting als 4. Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Poing beitrat. Die Verschmelzung der aktiven Bereiche wurde anlässlich der Mitgliederversammlung am 19. Januar 1984 mehrheitlich vollzogen.

Nicht der Drang nach technischen Erneuerungen oder Geltungssucht, sondern die gesetzlich notwendigen Vorschriften zeichnen dafür verantwortlich, dass aufgrund des weiteren Ausbaus des Gewerbegebietes in Poing-Nord, der Fahrzeugpark der Feuerwehr einem schnelleren Wandel und ständiger Erweiterung unterworfen ist.

Nach einer Lebensdauer von 26 Jahren kam in 1989 die Auswechslung des im Jahre 1963 erworbenen Löschfahrzeuges des Typs LF 8. Seit dieser Zeit unterstützt die Arbeit der Wehr ein Löschfahrzeug des Typs LF 16. Dieses Fahrzeug mit seiner speziellen Ausrüstung bietet zum Beispiel bei Verkehrsunfällen die notwendige Gewähr, dass mit nur einem Fahrzeug die umfassende Hilfestellung zur Verfügung steht. Die Optimierung der Verkehrssicherheit - die Absicherung von Unfallstellen auf Bundesstrassen und Autobahnen - wird bei derartigen Einsätzen seit März 1990 von einem Verkehrsleithänger ergänzt.

Im Mai 1991 erhielt die Fuhrparkfamilie weiteren Zuwachs. Es handelte sich hierbei um die Indienststellung eines Leiterfahrzeuges DLK 23 - 12 der Fa. Metz. Diese Drehleiter erreicht voll ausgefahren eine Steighöhe von 23 Metern bei einer Ausladung von 12 Metern. Durch die Verfügbarkeit und Bereitschaft eines solchen Fahrzeuges ist garantiert, dass sämtliche in Poing und Umgebung befindlichen Wohnhäuser und Gewerbeansiedlungen im Ernstfall den optimalen Schutz geniessen.

Ein Rüstwagen vom Typ RW 2 verrichtet seit 1992 Dienst in der Feuerwehr. Seine Ausrüstung bietet neben der Möglichkeit für grössere Hilfestellungen zusätzlich Schutz für Öl- bzw. Chemieunfälle. Ebenfalls 1992 erfolgte der Erwerb eines Einsatzleitfahrzeuges, eines sogenannten ELW's. Für die Löschgruppe Angelbrechting wurde im Jahr 1999 ein neues Mehrzweckfahrzeug beschafft. Das neueste Fahrzeug im Fuhrpark stellt das 2003 beschaffte LF 20-10 dar, als Ersatz für das in die Jahre gekommene TLF 16.

Parallel zur Entwicklung der Gemeinde Poing verlief auch der personelle Aufbau der Wehr. Diese positive Entfaltung war eng verbunden mit den seinerzeit tätigen Personen der Führungsebene. Ganz entscheidende Impulse dieser Periode gingen jedoch von dem sehr rührigen und umsichtigen 1. Kommandanten und jetztigen Ehrenkommandanten Franz Lang aus. Schon in den frühen 80-er Jahren wurde sichtbar, dass die Unterbringungsmöglichkeiten für Gerät und Personal in den vorhandenen Räumlichkeiten in der Schulstrasse an die Grenze ihrer Kapazität angelangt waren. Bereits zu diesem Zeitpunkt gingen die Verantwortlichen der politischen Gemeinde auf Grundstückssuche, um ein geeignetes Gelände für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses zu erwerben. Ein entsprechender Standort wurde letztlich in Poing-Nord am heutigen Bergfeld gefunden. Mit der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses in der Friedensstrasse, am 21. Juni 1991 wurde ein richtungsweisender Abschnitt eingeläutet, wurde ein wichtiger Schritt, in die richtige Richtung gesetzt.

Im Laufe der weiteren Jahre wurde die technische Ausstattung der Feuerwehr enorm erhöht.

Die Ansprüche wurden immer größer, die Anforderungen immer anspruchsvoller. Selbst mit der Ausbildung musste die Feuerwehr regelmäßig an zahlreichen Übungen teilnehmen um dem sehr hoch geforderten Standard gerecht zu werden. Alleine durch die zunehmende Industrie in Poing und dem Fortschritt der Technik auf Straße und Schiene wurden die technischen Hilfsmittel immer mehr gefordert und die Kenntnisse immer anspruchsvoller.

Auch in den folgenden Jahren wird der Ausbildungsstand mehr und mehr den Aktiven Floriansjüngern abverlangen.

Die Aufzeichnungen über die Ereignisse der vergangenen Jahre sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen auf, welchen Wandel das Aufgabengebiet der Feuerwehr unterworfen ist. Waren es früher die Brandeinsätze die das Aufgabengebiet prägten, so sind es heute die technische Hilfestellungen. Zu diesen Maßnahmen zählt mehr und mehr auch der Schutz der Umwelt.

Das wohl seit Bestehen des neuen Feuerwehrhauses am meisten gefragte Bauvorhaben wurde im Juli 2007 in Angriff genommen. Der Bau eines kleinen und gemütlichem Stüberl´s. Im März 2007 wurden die Anträge an die Gemeinde gestellt um die Genehmigung zum Bauvorhaben zu erlangen. Nach relativ kurzer Planungszeit, es war ja schon in den Köpfen,  wurde nach der Zusage von unserem 1. Bürgermeister Albert Hingerl mit dem Umbau des leeren Reifenlagers begonnen. Geplant war unterdessen auch an den Außeneingang einen Freisitz im Hof zu bauen.

An einem doch so wunderschönen Mittwoch Nachmittag taten sich ein paar Feuerwehrler zusammen und fingen einfach an. Bis Samstag abend war der Freisitz neu gepflasert und gestaltet. Somit wurde der Freisitz als erster Bauabschnitt in kürzester Zeit fertig gestellt. Das kuriose in den paar Tagen war, das wir Abends noch für die Leistungsprüfung übten, am Freitag die Prüfung absolvierten und mittendrin noch einen Brandeinsatz in der Nachbargemeinde fuhren.

Durch die Unterstützung der Jugendgruppe und mehreren Feuerwehr Kameraden konnte der Freisitz Hand in Hand fertig gestellt werden.
Im Anschluss daran wurde sofort mit dem Innenbereich begonnen. Die doch etwas durchgerostete Tür mit Fluchtweg nach außen geändert, ein zusätzliches Fenster eingebaut, die Wände neu verputzt, die elektrischen Leitungen neu verlegt und die Holzbalken für innen gefertigt. Das kuriose an den Balken war, das diese bereits fertig bearbeitet noch in einer Zimmerei standen. Durch eine Brandstiftung wurde die Zimmerei in Brand gesetzt. Ein kleiner Teil der Zierbalken befand sich noch in dem Gebäude. Diese mussten somit nochmals angefertigt werden.

Nach insgesamt 3 Monatiger Bauzeit wurde das Stüberl komplett fertig gestellt. Es waren 45 Kameraden mit insgesamt 542 geleisteten Freizeitstunden daran beteiligt, mit größtem Eifer und willen, neben den normalen Arbeitszeiten, Übungen und Einsätzen das Bauvorhaben zu fertigen. Mitte November wurde die lang ersehnte offizielle Eröffnung durchgeführt.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Helfer, die mit enormen Fleiß und Engagement ihre Freizeit und ihr Fachwissen zur Verfügung stellten, dem Bauhof für die zur Verfügung Stellung der Gerätschaften, der Gemeinde für die Unterstützung, den Spendern und dem Feuerwehrverein für die Finanzierung.

Liste der Vereinsvorsitzenden:

  • 1870 - 1878 Gerbl Josef
  • 1878 - 1882 Jell
  • 1882 - 1912 Huber Johann
  • 1912 - 1924 Lanzl Josef
  • 1924 - 1930 Stocker Josef
  • 1930 - 1945 Ametsbichler Michael
  • 1945 - 1952 Germeier Ludwig
  • 1952 - 1982 Seidl Johann
  • 1982 - 1989 Reinhardt Alfred
  • 1989 - 1990 Irl Simon sen. (kommisarisch)
  • 1990 - 1998 Lawes Werner
  • 1998 - 2001 Lanzl Herbert
  • seit 2001   Pfnür Herbert

Liste der 1. Kommandanten:

  • 1870 - 1873 Fullbacher
  • 1873 - 1876 Lanzl Josef
  • 1876 - 1894 Edelbauer Kaspar
  • 1894 - 1900 Gerbl Josef
  • 1900 - 1918 Stocker Josef
  • 1918 - 1921 Erl Josef
  • 1921 - 1924 Seidl Johann
  • 1924 - 1927 Westermeier Valentin
  • 1927 - 1930 Kornawitter Matthias
  • 1930 - 1942 Blieninger Sebastian
  • 1942 - 1945 Gerbl Otto
  • 1945 - 1948 Falterer Matthias
  • 1948 - 1950 Stocker Martin
  • 1950 - 1956 Gerbl Otto
  • 1956 - 1977 Stocker Martin
  • 1977 - 1992 Lang Franz
  • 1992 - 2007 Halbritter Thomas
  • seit 2007 Gaipl Robert

 


Den derzeit 85 Aktiven Feuerwehr'lern steht seit April 2007 1. Kommandant Robert Gaipl vor. Der personelle Ausbildungsgrad sowie die technische Ausrüstung garantieren nicht nur für die Gegenwart die notwendige Sicherheit. Wir, die Freiwillige Feuerwehr Poing, sind uns unserer Aufgabe bewusst, wir wissen die Unterstützung durch die Gemeinde in den letzten Jahren zu schätzen. Wir werden wie bisher an dem festen Willen zur Hilfsbereitschaft und damit dem Dienst am Nächsten, an Mensch und der Umwelt festhalten. Getreu unserem Wahlspruch:

Gott zur Ehr,
dem Nächsten zur Wehr

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